Impulskontrollstörungen bei Parkinson: Wenn Medikamente das Verhalten verändern

Plötzliches Glücksspiel, übermäßiges Einkaufen oder ein auffällig gesteigertes sexuelles Verlangen – Verhaltensweisen, die es vorher nie gab, können bei Parkinson eine medizinische Ursache haben: eine Impulskontrollstörung als Nebenwirkung der Behandlung.

Was ist eine Impulskontrollstörung?

Impulskontrollstörungen sind Verhaltensänderungen, bei denen die Fähigkeit sinkt, innere Impulse zu steuern oder zu unterdrücken. Betroffene handeln stärker aus dem Moment heraus, auch wenn absehbar ist, dass es negative Folgen hat – etwa finanzielle Probleme oder Konflikte in der Partnerschaft.

Wichtig zu verstehen: Diese Verhaltensweisen sind in aller Regel kein Charakterzug und keine bewusste Entscheidung, sondern eine Nebenwirkung, die eng mit bestimmten Parkinson-Medikamenten zusammenhängt – vor allem mit sogenannten Dopaminagonisten, teils auch bei hoch dosiertem Levodopa.

Typische Formen

  • Exzessives Glücksspiel – auch bei Menschen ohne frühere Spielneigung
  • Kaufsucht – unkontrollierte, oft plötzliche Einkäufe
  • Hypersexualität – deutlich gesteigertes sexuelles Verlangen oder Verhalten
  • Zwanghaftes Essen – unkontrollierte Essanfälle, oft nachts
  • „Punding“ – stundenlanges, zweckloses Wiederholen einfacher Tätigkeiten, etwa Sortieren oder Auseinanderbauen von Gegenständen

Wer ist besonders gefährdet?

Bestimmte Faktoren erhöhen das Risiko, wobei eine Impulskontrollstörung grundsätzlich jede Person treffen kann:

  • Männliches Geschlecht
  • Junges Alter bei Krankheitsbeginn
  • Bereits vor der Erkrankung erhöhte Impulsivität
  • Hohe Dosierung von Dopaminagonisten
  • Lange Erkrankungsdauer

Wichtig: Da nur ein Teil der Behandelten betroffen ist, geht man zusätzlich von einer individuellen Veranlagung aus. Niemand ist „schuld“ daran – es handelt sich um eine erkennbare, behandelbare Nebenwirkung.

Was tun, wenn eine Impulskontrollstörung auftritt?

  1. Sofort die Neurologin oder den Neurologen informieren – nicht abwarten oder aus Scham verschweigen.
  2. Medikation überprüfen lassen: Häufig hilft eine Anpassung der Dosis oder ein Wechsel des Präparats.
  3. Angehörige einbeziehen: Auffälliges Verhalten – etwa unerklärliche Geldausgaben – gemeinsam ansprechen, statt es zu verheimlichen.
  4. Verhinderung führt zu Anspannung: Wird das Verhalten unterdrückt, kann das zu negativen Stimmungsschwankungen führen – auch das gehört in ein ärztliches Gespräch.

Die gute Nachricht: Impulskontrollstörungen bilden sich in vielen Fällen deutlich zurück, sobald die Medikation angepasst wird. Eine engmaschige neurologische Begleitung ist dafür entscheidend.

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